Reviermeister und der Competition 2.6 MPI

Erfahrung mit einem Competition, kurz / 2.6 MPI

 
Erstmal ein Lob: Schön, dass es diese Seite gibt, gut gemacht ist sie ausserdem!

Ich kam zu meinem Trooper (kurzer Radstand) wie die Jungfrau zum Kind: Eigentlich hatte ich mir im September 2004 einen älteren PATROL bei mobile.de ausgesucht, zu besichtigen bei einem Händler in Senden bei Münster. Als ich dann bei dem Händler einlief, war mit wenigen Blicken klar: DER nicht! Auf die Frage, ob denn noch was anderes da sei, zeigte der Verkäufer stumm auf einen (später meinen) Trooper. 

Erster Gedanke: Oh Gott, so ´ne Rostschüssel (hatte noch die gruselige Rostkatastrophe eines ´86er Trooper eines Bekannten im Gedächtnis)? Aber dann hab ich doch mal ein Auge drauf gerichtet. 97tkm, breit (Competition), kurz, 2. Hand, Alu (naja...) mit 255er General, Bullenfänger, Reling, Trittbretter, Gitter vor den Leuchten - und kein Rost! Ein Blick nach unterhalb an den Rahmen und an die Türkanten hinten gab dann den Ausschlag: Jo, nehm ich! 2.500 E wechselten den Besitzer und der Trooper war meiner. Das keine AHK dran war, hat mir das Gefühl gegeben, dass die Kupplung wohl auch noch nicht übermässig beansprucht worden war.

Erste Amtshandlung: AHK bestellt und angebaut, denn schliesslich sollte der Trooper ja das Zugpferd für mein Boot (2,7 t) und mein Geschäft (PKW- Überführungen) werden. Anschliessend Motoröl, Filter und Kerzen gewechselt, alles abgeschmiert, Getriebeöle kontrolliert und fertig war er für den Einsatz im wirklichen Leben!

Seitdem habe ich gut 28tkm mit fast 90% Anhängerbetrieb hinter "uns" und kann nun dazu ein paar Worte schreiben:

Dieser 2.6i-Trooper hat einen genialen Motor mit einem für einen Benziner enormes Drehmoment, springt an auf "Schlüssel-zeigen". Getriebe, Achsen und Gelenke sowie der Nabenfreilauf sind ohne Macken. Da ich nach Bedienungsanleitung vollsynthetisches Motoröl reingekippt habe, lautet der Wechselintervall auf 30.000: Da fehlt heute, nach fast 28tkm, noch nicht ein Tropfen von! Fahrverhalten allerdings sehr gewöhnungsbedürftig: Mit den dicken Ballonreifen und dem kurzen Radstand bin ich am Anfang bei höherer Geschwindigkeit auf Autobahnen in Spurrillen dermassen rumgeeiert, dass mir der Schweiss auf der Stirn stand. Heute lass ich den Trooper einfach machen, was er will. Der fängt sich wieder...

Den ersten Mangel fand ich nach ein paar Kilometern: 
Die Leerlaufdrehzahl wackelte immer so um 1500, ein Schocktritt aufs Gaspedal regelte dann wieder runter auf 850. Da mir die Treterei lästig wurde, hab ich zusätzlich eine weiche Rückzugfeder an die Drosselklappe gehängt, seit dem ist "Ruhe".

Der zweite Mangel war eine nicht funktionierende Öldruck- Anzeige. Grund: 
Ein ausgeleierter und abgerutschter Stecker. Etwas zusammengekniffen, aufgesteckt und: Hält bis heute.

Dann kam der Winter und die nächste Überraschung: 
Abends die Handbremse angezogen und morgens war die Bremse fest! Naja, hab ich gedacht, fahr mal ein paar Meter, dann wird die Reibungswärme die Bremse schon wieder auftauen. Hat auch erstmal funktioniert. Leider waren dann nach 14 Tagen die Bremsbeläge hinten futsch und Eisenspäne angesagt. Die haben sich dann auch schön in die Alufelgen gebrannt, grrrrr! Die Bremsklötze hab ich aber dann schnell im Zubehör bekommen können, und dann sollte es zum Wechsel kommen. Leute, ich hab 3 Stunden versucht, die Bremskolben hinten zurück zu drücken um die neuen (dickeren) Klötze einzubauen, ohne Erfolg! Warum? Für alle, die es noch nicht wissen: Da ist ´ne automatische Bremseinstellung in den hinteren Bremssätteln! Es muss eine Deckelschraube hinten am Bremssattel aufgeschraubt werden, dann kann man mit einem kleinen Imbus- Schlüssel die Einstellautomatik lösen, Kolben zurückdrücken bis der Klotz reinpasst. Anschliessend mit dem Imbus wieder reindrehen, bis Widerstand spürbar ist, halbe Umdrehung zurück, Deckelschraube wieder drauf und fertig! Die Feineinstellung erledigt sich beim Handbremse anziehen von alleine.

Die tägliche Schufterei mit einem Anhänger hinten dran und Auto drauf hat der Trooper erstmal gut gepackt (trotz Vorurteil der schwachen Kupplung): Man muss halt das hohe Drehmoment ausspielen! Beim Anfahren kann man ruhig mit seeehr wenig Gas arbeiten und sobald die Rutsche rollt einfach komplett den Fuss von der Kupplung nehmen. Dann brummt er zwar ein bisschen (Drehzahl kommt UNTER 300 U/min!!!) und die Kontroll-Leuchten gehen an, als ob man grade frisch den Motor gestartet hätte, aber dann geht´s auch schon los! Und wenn es mal nach Zug- Stress aussieht, einfach Allrad rein auf 4L, bis man wieder auf grader Strecke ist (den einen Meter rückwärts fahren zum Auskuppeln der Freilaufnaben beim Umschalten auf 2H nicht vergessen!).

Dass die Kupplung allgemein schwach ist, habe ich dann im April 2005 beim Slippen meines Bootes festgestellt: Rückwärts die Slip- Rampe runter war noch kein Problem. Aber als mein Freund (fuhr den Trooper, ich stand auf dem Boot) dann wieder die steile Rampe hoch musste, weil was mit dem Boot nicht funktionierte, hat die Kupplung mächtig gequalmt. Seit dem kommt sie mir auch nun etwas schwabbelig vor, obwohl sie noch voll greift. Aber der sonst klar fühlbare Kontaktpunkt von früher ist weg...

Zum Spritverbrauch möchte ich was fast unglaubliches sagen: Ganz am Anfang, mit frischem Öl und neuen Kerzen, habe ich mit beladenem Anhänger hintendran tatsächlich mal einen Schnitt von 9,6 Litern auf 100 km erreicht (Mix aus Stadt/BAB)!!! Allerdings will ich auch nicht verschweigen, dass ich mit einem 5er BMW hinten drauf auf der Strecke Nürnberg/Bottrop 16,5 Liter verballert habe.

Aber insgesamt kann ich nur sagen, dass ich mit dem 2.6 MPI die richtige Entscheidung getroffen habe. Ist einfach ein "guter Kumpel"!
 

(März 2005)