Johann und sein silbergrauer Trooper

Troopererfahrung vom 2,8 TDI
Ein Trooper muß rollen ... durch Dick und Dünn ... über Stock und Stein.

Troopererfahrung:   2.8 TDI, lang, 5 Türen, BJ 1988, km etwa 190km

Was soll ich sagen, es war und ist mein Lieblingsfahrzeug. Gekauft hatte ich ihn im Frühjahr 1989, dann gings gleich mit ihm bis Dezember 1989 auf eigener Achse auf nach Zypern. Fleißig verreichtete er seinen Dienst, ohne groß Probleme zu haben. Das einzige, daß er nicht mochte war die staubige und trockenheiße Luft. Zurückgekehrt machten gleich beide hinteren Bremssattel schlapp und mußten erneuert werden. Aber, so weit ich informiert bin, war dies ein generelles Problem bei diesem Fahrzeugtyp.

Danach mußte er knapp zweieinhalb in Deutschland verbringen. Stadtverkehr und Autobahnen waren alles, daß er zu erleben bekam. Auch diese Zeit verbrachte er brav und tapfer und ohne zu murren. No Problems at all.

1992 gings dann für vier Jahre nach Slowenien. Diese vier Jahre waren für ihn die härtesten. Nein, er machte keine Probleme aber die Autofahrer in Slowenien machten ihm arg zu schaffen, leider. Er war immer gutmüdig und machte nie von sich aus Probleme.

Gleich im ersten Jahr knallte ihm einer in die Heckpartie. Dank seiner AHK erwischte es "nur" die Stoßstange und die Hecktüren. Aber was war das für ein Kampf, ihn wieder fit zu machen. Ersatzteile gabs keine in Slowenien und so mußte alles dort von einer Werkstatt von Deutschland über Österreich importiert werden. Nun, die Werkstatt arbeitete fürs Auge gut aber die Probleme kamen erst Jahre später zum Vorschein. Die Hecktüren begannen unten zu rosten und über der Regenrinne am Dach entlang der Hecktüren zeigten sich kleine Löcher, die ich bis heute notdürftig ausbesserte. Die kleinen Rostlöcher können nur von den Metallfunken verursacht worden sein als die Werkstatt ihm damals bei der Reparatur mit einer Flex zu Leibe rückte.

Nach der Hecklackierung konnte man dummerweise nichts mehr sehen. Nur dem Zufall, daß ich mal kurz selbst anwesend war als man mit der Flex arbeitete das die Funken flogen, kann ich es danken und mir erklären warum die Löcher auftauchten. Dummerweise zeigten sich die Löcher erst Jahre später längst nachdem wir Slowenien verlassen hatten.

1996 rettete er einem Slowenen möglicherweise das Leben, zumindest der Unfallveruracher kann ihm heute noch danken, daß er nicht schwerstens verletzt wurde. Mit einem R4 bei vier Zentimeter Neuschnee und abgefahrenen Reifen fährt man nicht mehr auf der Straße. Der gute Mann kam mir auf schnurgerader Strecke entlang eines Waldstückes plötzlich auf meiner Fahrspur frontal und wild rundernd entgegen. Dank des zugeschalteten Allradantriebes und dem guten Fahrverhaltens des Troopers konnte ich auf "seine" Fahrspur ausweichen. Hätte er nicht so wild gerudert und wäre er geradeaus gefahren wäre nichts passiert. Das er dann plötzlich wenige Meter vor mir wieder auf seine eigentliche Fahrspur zurückhechtete konnte niemand ahnen. Wäre ich geradeaus gefahren ... es hätte einen Frontalzusammenstoß gegeben. So knallte er dem Trooper voll in die Breitseite.

Nun, daß Ersatzteilproblem und das Begleittheater kannte ich bereits und so wurde der Wagen in Deutschland repariert. Kosten ca. 10.000,- DM. Wie der Unfall ausgegangen wäre wenn ein Trooper mit massivem Rammschutz frontal auf einen R4 knallt kann sich jeder vorstellen, der weiß welche Wucht dabei entsteht und wie starr und massiv ein Trooperfahrgestell ist. Das wäre für den R4-Fahrer sehr böse ausgegangen.

Im Sommer 1996 gings dann für vier Jahre nach New York an die Ostküste. Welche Hürden dabei übersprungen werden mußten um ihn dann tatsächlich auf US-Straßen bewegen zu können ... darüber schreib ich lieber nichts. Es könnte einen kleinen Roman füllen. Nichtsdestotrotz, ich habs geschafft. Vermutlich war mein Trooper der einzige Dieseltrooper in ganz Nordamerika.

Davon merkte ich als 1998 die Lichtmaschine schlapp machte. Ich mußte eine neue aus Deutschland einfliegen lassen, Kosten ca. 1.500,- DM incl. Fracht. Die vier Jahre in den Staaten hat er wunderbar verkraftet, jeden Tag zuverlässig seinen Dienst verrichtet. Problemchen gabs nur wegen der rostenden Hecktüren, den kleinen Löchern bei der Heckregenrinne und zusätzlich hatte er plötzlich ein Rostloch gleich unterhalb der Frontscheibe. Dort hat ein Kratzer, den ein Mechaniker in Deutschland noch vor der Abreise in die Staaten verursacht hatte als er die Frontscheibe austauschte, im Laufe der Zeit ein Fünf-Mark-Stück großes Rostloch verursacht. Es wurde zugespachtelt und vorbei war der Ärger, bis heute. Der hintere linke Radkasten beim Einstieg überraschte mich allerdings als er plötzlich zu rosten anfing. Weg damit, Spachtelmasse hat für Abhilfe gesorgt. Nebenbei bemerkt, Spachtelmasse hat auch bei den kleinen Löchern neben der Regenrinne geholfen.

Seit Sommer 2000 sind wir wieder in Deutschland zurück. Der Trooper steht seitdem in einer Garage gut verstaut und harrt der Dinge aus, die vielleicht noch auf ihn zukommen. Ein paar Jahre hier in Berlin und dann gehts wieder ins Ausland. Sicherlich gehts wieder dorthin wo es trockenheiß ist. 

Über zwölf Jahre hat er jetzt auf dem Buckel und die Maschine lief und lief, ohne zu murren. Für einen Posten irgendwo in einem Dritteweltland heb ich ihn mir auf. Für solche Posten nimmt man keinen Neuwagen, der wird eh geklaut oder sonst irgendwie "fertig" gemacht und einen Gebrauchten will ich mir nicht kaufen. Ich weiß was ich mit dem Trooper habe oder besser ... ich weiß wie ich dran bin. Eine Katze im Sack kann man schnell haben. Falls er dann doch total schlapp macht ... verschenken kann man ihn in den meisten Ländern. Wird er geklaut ... na ja, was solls.

Ach ja, die Auspuffanlage. Nach gut zwölf  Jahren müßte ich sie mal austauschen. Aber ... zeigt mir mal eine Auspuffanlage, die zwölf Jahre durchhält ! 

Falls es aber nicht mehr "rausgehen" soll ... das wäre großer Mist. Er muß und will laufen, rumstehen schmerzt ihm und mir. Jedesmal wenn ich ihn so ansehe wie er in der Garage steht habe ich immer ein Gefühl als wenn ich einen guten Freund in Stich lasse. 

Ein Trooper muß rollen ... durch Dick und Dünn ... über Stock und Stein.

Herzliche Grüße

Johann und sein silbergrauer Trooper

(September.2001)